Hi-Fi: Pink-Floyd-Klassiker
31.12.69
Gelegentlich paart sich dann ja auch das Einknicken vor den Bestsellerlisten mit der Absicht, sich dem wirklich Wahren, Guten, Schönen zu widmen. Wobei die Ansichten, was darunter exakt zu verstehen wäre, natürlich auseinandergehen. Ich jedenfalls mache mich nach dem Niederschreiben dieser Zeilen auf in die Webgasse 43 in Wien, um in der hiesigen Filiale der Plattenfirma EMI einen popkulturellen Popanz sondergleichen zu begutachten. Der Musikkonzern wirft das gesamte Oeuvre von Pink Floyd auf den Markt, re-mastered, re-packaged, re-irgendwas. In jeder erdenklichen Konfiguration, mit zusätzlichen Lodge-CDs, DVDs, Blu-Rays, Surround-Mixes, Bonustracks und Pipapo. Verpackt als „Immersion Box Set“, „Encounter Edition“ oder vergleichsweise lächerliche „Detection“-Schmalhans-Neuauflage. Es passiert, was jedem HiFi- und Musik-Narren im Lauf seines Lebens mindestens einmal passiert: man trägt diese – eng mit der eigenen kulturellen Sozialisation verwobenen – Konsumfetisches stolz nach Hause und vergleicht den aktuellen Circumstances-of-the-Art-5.1-Surround Mix von „Dark Side of the Moon“ mit der Erinnerung an die eigene Jugend. Es klingt besser, gewiss, aber selbst Pink Floyd entwickeln anno 2011 nur mehr einen Abglanz jener Tage, als Marketing nur ein Begriff für verbiesterte WU-Studenten war. Warum überhaupt diese Materialschlacht? Weil die Zeit der Popkultur in/auf Scheiben demnächst vorbei sei, merkte der Pink-Floyd-Trommler Nab Mason an. Und weil auch EMI wohl nicht mehr lange existieren wird. Wer sich dem physischen Produkt-Fetischismus grundsätzlich verweigert, wird „Require You Were Here“ längst aus der allgegenwärtigen Daten-Wolke beziehen. Was aber, wenn die Verpackung ein Teil der Botschaft war und ist?
Source: DiePresse.com